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Stand: 05.10.2015

Pressemitteilung

Beeindruckt von Unterstützung bei Integration

Austausch im Caritas-Zentrum NeustadtTrafen sich im Caritas-Zentrum Neustadt: (von links) Bundestagsabgeordnete Isabel Mackensen-Geis (SPD), Johannes Keuck, Nadja Franz, Roman Kammer und Abdul Hameed Aref.Christine Kraus / Caritasverband für die Diözese Speyer

"Ohne Caritas kein Leben", so fasst Imad aus Syrien in einem Film-Clip das zusammen, was die Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE) für ihn bedeutet. Ohne die unkomplizierte Hilfe des Beratungsdienstes wäre es ihm und anderen Hilfesuchenden noch viel schwerer gefallen, hier Fuß zu fassen und neu anzufangen.

Anlässlich des bundesweiten Aktionstages, zu dem die Bundesgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege aufgerufen hat, haben die MBE-Stellen mehrerer Caritas-Zentren mit einigen ihrer Kunden diesen kurzen Film gedreht, um auf ihre wichtige Arbeit aufmerksam zu machen. Aus dem gleichen Grund laden die MBE-Stellen zurzeit Bundestagskandidaten der Region zu einem Gespräch ein.

Am 1. Juli war die Bundestagsabgeordnete Isabel Mackensen-Geis, die für die SPD im Wahlkreis Neustadt-Speyer kandidiert, zu Gast im Caritas-Zentrum Neustadt,  dessen Außenstelle in Bad Dürkheim Träger der dortigen MBE ist. Die Politikerin  zeigte sich beeindruckt von dem Film: Da ist Fuaad aus Somalia, der erzählt: "Wir sind neu hier, wir verstehen nichts von Zetteln, du musst verstehen, was  da steht. Ohne Caritas geht das nicht." Die MBE hat ihm und ebenso Solomun aus Eritrea geholfen, die bürokratischen Hürden für den Familiennachzug zu meistern. Juweria aus Somalia freut sich, einen Integrationskurs besuchen zu können, denn sie möchte später eine Ausbildung als Krankenpflegerin machen. Lusine aus Armenien hat die MBE bei Problemen mit der Ausländerbehörde geholfen und zur Berufsberatung begleitet. Es viele verschiedene Menschen, aus unterschiedlichen Ländern, die sich doch alle dasselbe wünschen, wie es Fuaad zusammenfasst: "Ich will leben wie die anderen Menschen."

Ein Akteur aus dem Film, Abdul Hameed Aref, war beim Gespräch mit Mackensein-Geis mit dabei und hat ihr persönlich erzählt, was er mit Hilfe der MBE inzwischen erreicht hat. Der 31-jährige Mediziner aus Syrien ist 2018 nach Deutschland gekommen, mit dem Ziel, schnell Fuß zu fassen und dann die Ehefrau und die kleine Tochter Joudy (4) zu sich nach Deutschland zu holen. Doch der Weg war steinig. Anfangs hat er nur englisch gesprochen. In einem Integrationskurs bekam er den Tipp, die Caritas um Hilfe für die Familienzusammenführung zu bitten. So lernte er Roman Kammer, Fachberaters der MBE, kennen.

Zusammen haben sie nun alle Schritte in die Wege geleitet und bald wird Abdul Hameed Aref seine Familie wiedersehen. Aus der anfänglichen Beratung ist längst eine Freundschaft geworden. Aref leistet seit Anfang des Jahres seinen Bundesfreiwilligendienst im Caritas-Zentrum Neustadt und unterstützt Roman Kammer bei seiner Arbeit. Die Idee, sich sozial zu engagieren hatte er selbst und mit Hilfe von Nadja Franz, der Referentin für Bundesfreiwilligendienst im Caritas-Verband, die Stelle bekommen.

Die Aufgaben der MBE sind vielfältig. Vieles dreht sich im Moment um Familienzusammenführung. Doch das ist nur ein kleiner Teil der Arbeit. Beratung gibt es auch zu rechtlichen Fragen zum Aufenthalt, zu Anerkennung von im Ausland erworbenen Berufs- und Studienabschlüssen, zu Bewerbertrainings, Wohnungssuche und vielen anderen Themen, die für Zuwanderer wichtig sind. "Jeder bekommt kostenlos Hilfe, egal in welchem Bereich", fasst es Lusine aus Armenien im Film zusammen.

Die MBE fördert und ermutigt zum Gebrauch der eigenen Kompetenzen und trägt maßgeblich zu selbstbestimmtem Handeln in allen Angelegenheiten des täglichen Lebens bei. Sie ist zuständig für neu Eingewanderte und Geflüchtete nach ihrer Anerkennung oder mit guter Bleibeperspektive. Die Fachberater arbeiten bundesweit mit Integrationskursträgern, den Jobcentern, der Ausländerbehörde und weiteren Netzwerkpartnern im kommunalen Gemeinwesen zusammen.

Die MBE wird von verschiedenen Trägern angeboten, in Bad Dürkheim ist das die Caritas. Bundesweit gibt es 1359 Beratungseinrichtungen in denen 305.295 Beratungsfälle für 2020 dokumentiert sind. Rechnet man Familienangehörige mit, wurden über eine halbe Million Personen erreicht.  "Ein Fachberater hat im Bundesdurchschnitt 300 Beratungsfälle im Jahr. Ursprünglich vorgesehen für ein intensives Case Management waren 60 Beratungen", erklärt Johannes Keuck, Leiter des Caritas-Zentrums in Neustadt. Fachberater Roman Kammer liegt da sogar noch über dem Schnitt. Es wäre also wichtig, die Beratung auszubauen, doch das ist mit den bundesweit 71 Millionen Euro vom Bund nicht denkbar. "Das ist eh schon zu wenig, das Problem ist aber, dass der Etat nicht dynamisiert ist. Der Trägeranteil wächst durch steigende Personalkosten aufgrund von Tarifsteigerungen von Jahr zu Jahr", erklärt Keuck.

Dem Leiter ist wichtig, Isabel Mackensen-Geis nicht nur die Arbeit der MBE vorzustellen, sondern auch das Wissen um diese Problematik mit nach Berlin zu geben, in der Hoffnung, dass sie sich dort dafür einsetzen kann. Sie werde den Kollegen in Berlin berichten, versichert Mackensein-Geis. Sie bezeichnete das Gespräch mit der MBE als sehr wichtigen Termin und sei sehr froh, dass es dieses Projekt gebe. "Bitte wenden Sie sich an mich, wenn ich irgendwie helfen kann", sagte sie bei der Verabschiedung.

Text und Foto: Christine Kraus für den Caritasverband für den Diözese Speyer

 

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