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Stand: 05.10.2015

Pressemitteilung

Spielerisch ins Gespräch über soziale Fragen kommen

Der Stand des Caritas-Zentrums beim Multi-Kulti-Fest in NeustadtDas Multi-Kulti-Fest in Neustadt zog viele Besucher an. Auch am Stand des Caritas-Zentrums war viel los.Henning Wiechers / Caritasverband für die Diözese Speyer

"Viele Kulturen - Eine Stadt" - unter diesem Motto veranstaltet der Verein "Neustadt gegen Fremdenhass" jährlich sein "Multikulturelles Festival". Am letzten Septembersonntag erlebte es die 27. Auflage auf dem Marktplatz im Zentrum der Stadt an der Haardt. Musik und kulinarische Spezialitäten aus aller Welt sowie Infos und Aktionen von Vereinen, Gruppen und Institutionen prägten das Programm, das auch diesmal Besucherscharen anzog. Auch das Caritas-Zentrum Neustadt nahm teil und stellte seine Angebote vor. Schwerpunkt dabei war - mit Bezug auf das Festivalthema - die Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE). 

Am Stand des Caritas-Zentrums packt Wolfgang Denz aus Edenkoben in aller Eile Dinge, die für die Bewältigung des täglichen Lebens wichtig beziehungsweise nützlich sind, aus einer bunten Auswahl auf dem Tisch in einen Koffer: Schuhe, Schlafsack, Handtuch, ein bisschen Bargeld, Notizblock, Taschenlampe, Zahnbürste, gehören dazu. In letzter Sekunde fällt die Entscheidung, den Notizblock gegen die Wasserflasche zu tauschen und doch das Smartphone noch mitzunehmen. Denz ist Festival-Besucher und hat sich vom Anblick des Sammelsuriums auf dem Tisch dazu anregen lassen nachzufragen, was es damit auf sich habe. Er hat erfahren, dass das die Ausstattung für eine besondere Variante des "Ich-packe-meinen-Koffer"-Spiels ist und er eingeladen sei mitzuspielen: Eine Minute gibt’s, um zu entscheiden, was er in den einen Koffer packen würde, den er mitnehmen könne, wenn er gezwungen wäre, sein Zuhause zu verlassen. Nach der Pack-Minute entspinnt sich ganz schnell das Gespräch mit den Caritas-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern darüber, was er in der Eile vergessen hat, einzupacken oder was vielleicht doch überflüssig wäre. "Proviant habe ich bewusst nicht eingepackt, da muss ich mich drauf verlassen, dass sich unterwegs was findet und es Gelegenheiten gibt, mit Schicksalsgenossen etwas zu teilen", sagt er. Und dass er bewusst keine Ausweispapiere mitnehmen würde. Denn da er ja davon ausgehen müsse, verfolgt zu werden, könnten Häscher mit bei ihm gefundenen Papieren ganz schnell zurückgelassene Familienmitglieder ausfindig machen und ihnen übel zusetzen.

Wolfgang Denz am Caritas-Stand probiert das Mit dem Spiel "Ich packe einen Koffer" weckt das Caritas-Zentrum Neustadt Verständnis für die Situation von Menschen auf der Flucht. Henning Wiechers / Caritasverband für die Diözese Speyer

Ja, und das Smartphone - zuletzt doch noch im Koffer gelandet - sei, so erklärt ihm Roman Kammer vom Standteam, für Menschen auf der Flucht ein ganz wichtiges Instrument, könne auch Taschenlampe und Kompass sein, biete den Zugang zu Erinnerungen an Heimat, Freunde und Verwandte. Roman Kammer ist seit vergangenem Herbst Migrationsberater im Dienst des Caritas-Zentrums Neustadt. Sein Dienstsitz ist die Außenstelle in Bad Dürkheim, die dort die MBE für Menschen mit Migrationshintergrund wie Flüchtlinge mit anerkanntem Bleiberecht ab dem Alter von 27 Jahren aus dem ganzen Landkreis bietet.

Wie Wolfgang Denz machen an diesem Sonntag noch viele andere Besucher beim Kofferspiel mit und kommen mit Kammer und dem übrigen Team ins Gespräch, vertiefen ihr Verständnis für die Situation von Menschen, die auf die Flucht gehen, dafür, wie wenig sie mitnehmen können und was sie - auch ganz bewusst - zurücklassen müssen. Und das ist genau das, was das Spiel bewirken soll, sagt Kammer: Empathie fördern und Verständnis wecken. Verständnis auch dafür, wie wichtig Hilfen wie die MBE und andere Dienste für Migranten sind, die die Caritas und weitere Institutionen und Initiativen, vielfach in Zusammenarbeit, leisten. Er hält das für sehr dringlich, "denn heute ist von Willkommenskultur nicht mehr viel zu spüren". Es werde fast durchweg stark polarisierend über die Flüchtlingsthematik gestritten.

Die MBE, das können die Standbesucher ebenfalls erfahren, betrifft fast alle Bereiche des Alltagslebens, dem sich die "Anerkannten" stellen: Da werden etwa Sprachkurse vermittelt, es gibt Unterstützung beim Stellen notwendiger Anträge, dabei, einen Arbeitsplatz zu finden oder eine Ausbildung, ein Studium aufzunehmen oder fortzusetzen. Die Wohnungssuche gehört ebenso zu den Beratungsthemen wie Familienzusammenführung. Genutzt werde das Caritas-Angebot in wachsendem Maße, bilanziert Kammer: 2014 habe es 175.000 Beratungen gegeben, 2018 waren es schon 305.000. "Und die Zahlen multiplizieren sich noch, da wichtige Sachverhalte auch von den Beratenen weitergegeben werden". Auch wer schon länger in Deutschland lebt, könne sich Rat holen, fügt Kammer an. Den gebe der die MBE ergänzende Migrationsfachdienst. Menschen, die noch im Asylverfahren stecken, finden beim Caritas-Zentrum ebenfalls Unterstützungsangebote. 

Text und Bilder: Henning Wiechers für den Caritasverband für die Diözese Speyer

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